Methode und Quellen
So funktioniert prlmnt
Vor einer Wahl veröffentlichen Parteien Programme mit Hunderten Vorhaben. Was danach im Parlament beschlossen wird, ist öffentlich dokumentiert – aber verteilt auf Tausende Einträge, Protokolle und PDF-Dokumente. prlmnt führt diese offiziellen Quellen zusammen, damit sichtbar wird, wie Parteien abstimmen und wie das zu dem passt, was sie angekündigt haben.
prlmnt gibt keine Wahlempfehlung und bewertet keine politischen Positionen. Wir wenden auf alle Parteien dieselben Methoden an, zeigen, was in den Quellen steht, und verlinken jede Angabe auf ihre Quelle, damit sie sich überprüfen lässt.
Unsere Quellen
- Parlament Österreich – Open Data. Alle Anträge, Regierungsvorlagen und Ausschussberichte des Nationalrats der laufenden Gesetzgebungsperiode (seit 24. Oktober 2024), mit Abstimmungsergebnissen, Themen und Redebeiträgen.
- Parlamentskorrespondenz. Die Berichte des parlamentseigenen Pressedienstes über Plenar- und Ausschusssitzungen seit Jänner 2024 – darin die Positionen der Fraktionen und Aussagen der Abgeordneten.
- Wahlprogramme zur Nationalratswahl 2024 von ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS und Grünen, so wie die Parteien sie als PDF veröffentlicht haben. Die Texte sind Werke der Parteien; wir zitieren daraus und verweisen auf die Seite im Original.
Die Daten des Parlaments stehen unter der Lizenz CC BY 4.0. Wir aktualisieren sie täglich.
In Vorbereitung: Presseaussendungen der Parlamentsklubs, die vollständigen Redetexte aus den Stenographischen Protokollen und frühere Gesetzgebungsperioden.
Wie wir Abstimmungen auswerten
Im Nationalrat wird in der Regel nach Klubs abgestimmt. Das Parlament veröffentlicht zu jeder Abstimmung, welche Fraktionen dafür und welche dagegen gestimmt haben. Wir lesen diese Angaben für jede Abstimmung aus – auch für Abänderungs- und Entschließungsanträge, die nicht als Gesetz enden.
Die Übereinstimmung zweier Parteien ist der Anteil der Plenarabstimmungen, bei denen beide gleich abgestimmt haben. Dabei gilt:
- Über ein Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung abgestimmt, meist mit demselben Ergebnis. Wir zählen nur die dritte Lesung, damit Gesetze nicht doppelt gewichtet werden.
- Wird über Teile eines Gesetzes getrennt abgestimmt und eine Partei stimmt nur einem Teil zu, gilt das als „teilweise“ und fließt nicht in die Übereinstimmung ein.
- Abstimmungen in Ausschüssen zählen nicht: Ausschüsse tagen in Österreich nicht öffentlich, und das Parlament veröffentlicht für sie meist nur das Ergebnis, nicht das Stimmverhalten der Parteien.
- „Angenommen“ bezieht sich auf die einzelne Abstimmung, nicht immer auf das Anliegen dahinter. Nimmt der Nationalrat etwa einen ablehnenden Ausschussbericht an, ist der ursprüngliche Antrag damit gescheitert.
Wie wir Wahlprogramme auswerten
- Text erfassen. Wir zerlegen jedes Programm in Überschriften und Absätze und speichern die Seitenzahl, damit sich jede Stelle im Original nachschlagen lässt.
- Gegen den Druck prüfen. Text aus PDF-Dateien kann fehlerhaft sein, etwa durch falsch kodierte Schriften oder durch Text, der gespeichert, aber nicht sichtbar ist. Deshalb lesen wir jede Seite zusätzlich per Texterkennung (OCR) und gleichen jeden Satz mit dem gedruckten Text ab. Je nach Programm werden so 97 bis über 99 Prozent der Sätze bestätigt; die übrigen Stellen – meist Überschriften in Zierschrift oder Text auf farbigem Hintergrund – sind markiert.
- Themen zuordnen. Ein Sprachmodell ordnet jeden Absatz bis zu drei der 20 Themenbereiche zu, die auch das Parlament für Anträge und Gesetze verwendet. So lassen sich Programme und Abstimmungen später über dieselben Themen verbinden.
- Vorhaben erkennen und belegen. Das Modell sucht konkrete, überprüfbare Vorhaben: was Gesetzgebung, Regierung oder Verwaltung tun sollen. Werte, Beschreibungen der Lage und Kritik an anderen Parteien zählen nicht dazu. Zu jedem Vorhaben muss es die Textstelle wörtlich zitieren; wir prüfen automatisch, ob das Zitat tatsächlich im Programm steht, und verwerfen Vorhaben ohne passendes Zitat.
- Menschlich prüfen. Die erkannten Vorhaben sind Vorschläge. Erst wenn eine Person ein Vorhaben geprüft hat, verwenden wir es für Vergleiche mit dem Abstimmungsverhalten. Diese Prüfung steht noch aus.
Welches Sprachmodell wir verwenden
Alle fünf Programme wurden mit demselben Modell ausgewertet, damit Unterschiede zwischen den Parteien nicht vom Werkzeug kommen. Ausgewählt haben wir es in einem Vergleich von fünf Modellen, die dieselben 40 Absätze mit derselben Anleitung und denselben Prüfungen auswerten mussten. Entscheidend war, wie oft ein Modell Zitate erfindet, Absätze auslässt oder mehrere Vorhaben zusammenfasst. Am zuverlässigsten war Claude Haiku 5.5 von Anthropic: keine erfundenen Zitate, keine ausgelassenen Absätze.
Sprachmodelle machen dennoch Fehler. Deshalb zeigen wir zu jedem Vorhaben das Originalzitat und die Seite.
Wie die Themenanteile berechnet werden
Die Übersicht der Wahlprogramme zeigt, welcher Anteil eines Programmtexts auf welches Thema entfällt. Jeder Absatz zählt mit seiner Länge; hat er mehrere Themen, wird er gleichmäßig auf sie aufgeteilt. So ergeben die Anteile eines Programms zusammen 100 Prozent und lassen sich zwischen Programmen vergleichen, egal wie lang sie sind oder wie sie in Absätze gegliedert sind.
Was die Daten nicht zeigen
- Motive. Eine Partei kann gegen einen Antrag stimmen, der ihrem Programm entspricht – etwa aus Koalitionsdisziplin, weil sie einen eigenen Antrag eingebracht hat oder weil ihr der Text nicht weit genug geht.
- Einzelne Abgeordnete. Namentliche Abstimmungen sind im Nationalrat selten. Wir werten das Stimmverhalten der Klubs aus.
- Gewicht. Jede Abstimmung zählt gleich, ob Budget oder Verfahrensfrage. Eine Unterscheidung nach Art der Abstimmung ist in Arbeit.
- Wichtigkeit. Themenanteile messen, wie viel Text ein Programm einem Thema widmet – nicht, wie wichtig es der Partei ist oder wie konkret ihre Vorschläge sind.
- Anzahl der Vorhaben. Wie viele Vorhaben ein Programm enthält, hängt stark von seinem Schreibstil ab. Die Zahl eignet sich nicht als Vergleich zwischen Parteien.
Was als Nächstes kommt
- Die menschliche Prüfung der erkannten Vorhaben.
- Eine Leseansicht der Wahlprogramme, in der Vorhaben markiert und nach Themen gefiltert werden können.
- Die Positionen der Fraktionen aus der Parlamentskorrespondenz und die Verknüpfung von Vorhaben mit Abstimmungen zum selben Thema.
- Weitere Länder.